Ich bin auch ein Schaf

Von Pfadfinderversprechen, Parteiprogramm und Bibel.

Mein Bruder war das schwarze Schaf der Familie, ich das rosa Schaf. Der Gesellschaft war das nur recht, denn so sorgten wir für Gesprächsstoff und dienten als Vorzeigemodell, was aus einem wird, wenn man nicht anständig ist. Ja, die Instrumentalisierung des Individuums geschieht schon früh, sehr früh. Wer von uns weiss noch wie es war, einfach so, grundlos geliebt zu werden. Allein die Tatsache, dass man vorhanden war, genügte. Wir sehen es heute noch bei Eltern mit Babies, wie sie ihre Babies mit den allerbesten, liebevollsten Attributen schmücken. Egal wie hässlich und nervig das Baby wirklich ist, egal welche Veranlagung dadrin schlummert. Die Freude, da was von sich in Händen zu halten wird niemals hinterfragt. Und das ist auch gut so. Und so sollte es auch sein. Doch das Glück währt nicht lange. Warum eigentlich?

Als Babies sind wir genug, ganz. Doch wir entwickeln uns nur selten nach den Vorstellungen unserer Eltern oder der Gesellschaft und damit den gängigen Moralvorstellungen, und wer nicht ins Schema passt, fliegt raus, oft auch aus sich selber. Mit der Entwicklung und der Sozialisierung kommen Angst und Unsicherheit und werden zu treibenden Kräften und wem der Glaube an sich abhanden kommt, wird abhängig von externer Validation.

Ein gefundenes Fressen für die Pfadfinderbewegung, die Partei, die Kirchen, die Pegida, die ISIS. Es gibt für jeden etwas. Denn: Wer kennt es nicht, das Gefühl, nicht genug zu sein.

Und genau dieses Gefühl, nicht zu genügen, versuchen wir dann ein Leben lang zu kompensieren. Getrieben von Angst versuchen wir, dieser zu entkommen. Doch sie bleibt uns dicht auf den Fersen, die Angst kann nichts dafür, sie muss uns hinterher rennen, denn wir bleiben an ihr haften.

Wie kann ich also wieder „zum Kinde“ werden, wie kann ich wieder ganz, genug werden? Sicher nicht, wenn ich mich als 50-jähriger wie ein 20-jähriger anziehe und verhalte, nein, auch nicht wenn ich als 70-jähriger mir einbilde noch in das Beuteschema der 30-jährigen zu gehören, ausser jemand ist gerontophil veranlagt, nein, das geht nur, wenn ich mich hinsetze, mir die Zeit nehme und mir zuhöre. Wenn ich in mir finde, was ich hoffe, von aussen zu bekommen, dann werde ich mir selber wieder genug sein. Und wenn ich mir selber genug bin, dann vielleicht erlebe ich einen Moment wie ihn wohl Martin Luther King erlebte, als er sagte: „I have a Dream.“ Alles was ich bisher sagen konnte, ist: „I have a Headache.“

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